Die Chaos-Theorie: Organisiere den perfekten Dreh!

2. Das Konzept

Ich weiß jetzt schon ziemlich viel über das Thema. Wie geht’s weiter?

Eine Idee ist noch kein TV-Beitrag. Frage dich zunächst, wie der Beitrag aufgebaut sein soll. Du willst unterhalten! Also bedenke, dass der Beitrag inhaltlich und visuell spannend sein sollte. Was ist wirklich wichtig und was interessiert dein Publikum? Mach dir Gedanken, wie du deine Geschichte erzählen willst: Entwirf einen Plan und entwickle ein Konzept!

Und wenn ich nicht alle Bausteine zusammenkriege?

Auch die Profis benutzen nur die Bausteine, die für das Thema sinnvoll sind. Außerdem musst du dich nicht immer an alle Regeln halten – überrasche uns mit neuen Ideen! Hauptsache, du schaffst es, dein Thema unterhaltsam und verständlich rüberzubringen.

Kann ich die Bausteine beliebig mixen?

Jein. Achte darauf, dass dein Beitrag strukturiert ist. Ein Experteninterview direkt als Beginn oder eine Straßenumfrage am Ende machen natürlich nicht so viel Sinn. Bilde Kapitel und konzentriere dich auf das Wesentliche. Die Bausteine (deine Szenen) müssen deine Fragestellung bzw. Aussage vorantreiben, also einfach und logisch aufeinander aufbauen und sich ergänzen. Vergiss aber nicht die Emotionen und die Spannung: Lasse den Zuschauer ruhig mal zappeln und gib nicht gleich die Antwort auf die zentrale Frage deines Beitrags.

Kann ich eigentlich alles alleine machen?

Theoretisch ja. Praktisch ist das aber echt nicht einfach. Zum einen haben zwei oder mehr Personen wahrscheinlich mehr Ideen für den Beitrag als einer alleine. Zum anderen kannst du dann Aufgaben aufteilen. Alleine musst du dich auf vieles gleichzeitig konzentrieren: z. B. darauf, deinem Interviewpartner Fragen zu stellen, auf seine Antwort zu reagieren und währenddessen darauf zu achten, dass die Aufnahmen der Kamera gut sind, das Stativ gerade steht und es keine Störgeräusche beim Ton gibt. Jede Einzelheit ist wichtig!

Wie viele Personen benötigt man denn für das Filmteam?

Wie oben gesagt: Zur Not geht es alleine, dann bist du ein sogenannter VJ, ein Videojournalist. Mindestens zwei Leute sind aber besser, dann kann einer z. B. die Kamera übernehmen und die Kopfhörer tragen, während der andere sich voll und ganz auf das Interview oder die Regie konzentriert. Wenn du noch jemanden hast, der den Ton aufnimmt und der Kamera assistiert: Super, das ist dann ein klassisches EB-Team (= elektronische Berichterstattung), das bei der Produktion journalistischer Beiträge für das Fernsehen eingesetzt wird. Wenn ihr noch mehr seid, kann einer z. B. aufpassen, dass niemand einfach so durchs Bild läuft oder sich andere Personen laut im Hintergrund unterhalten. Und beim Schnitt machen ohnehin mehrere Meinungen Sinn, da man schnell die Distanz zu seinem Material verliert.

Und wozu brauche ich das?

Wenn du deinen Beitrag abwechslungsreich gestalten willst, mach es nicht so wie bei dem Video eures Theaterstücks, sondern schneide mehrere Einstellungen hintereinander und wähle jeweils unterschiedliche Einstellungsgrößen. So entsteht Dynamik! Außerdem erzählt ein Bild unterschiedlich viel – abhängig davon was zu sehen ist. Hier eine Übersicht über die Einstellungsgrößen und darüber, wann sich welche anbietet:

Die Totale liefert einen Überblick über den Ort bzw. die Umgebung, wo eine Szene spielt. Auch Personen kann man sehen. Es ist allerdings nicht zu erkennen, wer das ist.

Die Halbtotale zeigt einen kleineren Ausschnitt der Umgebung, die Kamera ist also näher dran. Dabei kann man erkennen, welche Figuren an der Szene beteiligt sind.

Der Name dieser Einstellung stammt aus dem Western, der bekanntlich aus Amerika kommt. Man sieht die Person von den Oberschenkeln an aufwärts, um z. B. ein Duell zwischen Cowboys zu zeigen. Man sieht die Colts im Holster am Gürtel hängen.

Man sieht die Person vom Gürtel an aufwärts. Die Halbnahe ist besonders gut geeignet, wenn man die Gestik der Personen zeigen will, auch ihre Gesichter sieht man gut. So erkennt man, was diese Menschen fühlen. Trotzdem kann sich das Publikum noch halbwegs im Raum orientieren.

Die Person ist von den Schultern an aufwärts zu sehen. Die Nahe ermöglicht es, in den Gesichtern der Figuren zu lesen. Hierbei sieht man nur wenig von der Umgebung und den anderen anwesenden Figuren. Als Zuschauer fühlt sich die Nahe nach einer natürlichen Gesprächssituation an.

Man sieht das Gesicht vom Kinn bis zum Haaransatz. Die Große zeigt das Gesicht in allen Einzelheiten. Jedes Gefühl lässt sich so ablesen, und man ist der Person sehr nah. Man sieht aber nichts vom Ort der Szene.

Ein Detail nimmt man ohne Kamera nicht unbedingt wahr. Dafür müsste man sehr nah rangehen. Das Detail eines Gesichts bewirkt zum Beispiel, dass das Publikum große Nähe zu der Figur aufbaut. Auf jeden Fall lenkt ein Detail die Aufmerksamkeit – man nimmt nur einen bestimmten Teil der Szene wahr, z. B. das Messer, das gleich zur Mordwaffe wird.

Halte ich bei den Dreharbeiten dann einfach die Kamera drauf und filme los?

Kannst du machen, solltest du aber nicht. Hast du dir mal ein Theaterstück, das eure Klasse aufgeführt hat, auf Video angeguckt? Laaangweilig! Warum? Weil die Kamera nur auf dem Stativ stand und eine Einstellung in einer einzigen Einstellungsgröße aufgenommen hat.

Was ist denn eine Einstellung und was eine Einstellungsgröße?

Eine Einstellung ist die „kleinste filmische Einheit“, also der ungeschnittene Teil einer Aufnahme zwischen zwei Schnitten. Die Einstellungsgröße meint den Abstand der Kamera zum aufgenommenen Objekt, also wie groß das Objekt im Bild zu sehen ist.

Wie genau muss ich mir vorher überlegen, welche Einstellungsgrößen ich filme?

Wenn du noch nicht viel Erfahrung hast, macht es durchaus Sinn, sich darüber schon vorher Gedanken zu machen. Dazu bietet sich ein sogenanntes Storyboard an – das ist quasi der Comic zum Film. Überlege dir, was du erzählen willst, und such dir dann die dazu passenden und notwendigen Einstellungsgrößen. Die zeichnest du dann einfach auf (Strichmännchen reichen vollkommen)!